Solo Travel: Wenn du alleine reist - und dir selbst begegnest
- Merle Reimers

- 23. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Warum dich das Alleinreisen ruft. Und warum es dir gleichzeitig solche Angst macht.
Vielleicht spielst du schon länger mit dem Gedanken. Er kommt und geht, aber ich doch hartnäckig.

“Ich würde so gerne mal alleine verreisen.” … “Aber was, wenn…?”
Was, wenn ich mich einsam fühle?
Was, wenn ich mich langweile?
Was, wenn ich mich nicht sicher fühle?
Willkommen beim wahren Solo Travel Talk. Nicht bei den perfekten Bildern vom Sonnenuntergang. Nicht die Caféempfehlung in Lissabon. Nicht das “Eat Pray Love” Romantik.
Solo Travel ist kein einfacher Urlaub. Es ist eine Begegnung mit dir selbst.
Der Moment über den niemand bei Instagram spricht
Du hast Hunger und musst dich für ein Restaurant entscheiden. Erste Hürde genommen.
Du sitzt alleine am Tisch. Um dich herum Paare, Freunde, Gelächter.
Dann ist sie plötzlich da: Diese Stille.
Am Anfang ganz schön unbequem. Und du hast das Gefühl, mitleidige Blicke auf dich zu ziehen. Fast peinlich.
Als müsstest du dich dafür rechtfertigen, dass du alleine bist.
Und dann passiert etwas Spannendes.
Nach dem ersten Herzrasen wird der Körper plötzlich ruhiger.
Die Stimmen im Kopf aber lauter. Und dein Herz schaltet sich auch noch dazwischen.
Denn was viele unterschätzen:
Im Alltag sind wir permanent beschäftigt, funktionierend, angepasst. Beim Solo Travel lässt du diese Zustände hinter dir.
Keine Termine.
Keine Erwartungen.
Keine bekannten Muster.
Nur du. Und deine Gedanken. Ganz schön gruselig, oder?
Warum Alleinreisen so triggert?
Weil unser Gehirn Gewohnheit liebt. Sicherheit. Vorhersagbarkeit ist wie eine warme, weiche Decke für unser System.
Und Solo Travel entreißt dem Hirn genau das. Es ist wie ein radikaler Perspektivwechsel für unser System und katapultiert dich aus deiner Komfortzone.
Völlig unbekannte Umgebung. Tausend neue Reize. Niemand, der dir sagt, wer du bist.
Nichts ist gewiss. Und es gibt keine Konstante.
Kein Wunder, dass uns das erst mal Angst macht!
Aber es bietet dir auch die Chance, deine Realität mal zu hinterfragen.
Denn ohne den ganzen Lärm und die Ablenkung-Quellen deines Alltags kannst du dem inneren Dialog mal Aufmerksamkeit schenken.
Und dann können einige unangenehme Fragen aufploppen:
Was will ich eigentlich?
Wie treffe ich Entscheidungen, wenn mir niemand eine Richtung gibt?
Wer bin ich, wenn mich niemand kennt?
Und diese Fragen können erst mal erschrecken. Aber sie sind nicht schlecht, sondern wirklich wertvoll.
Einsam oder allein? Ein entscheidender Unterschied
Viele Frauen haben Angst, sich auf Reisen einsam zu fühlen.
Und ja, das kann passieren.
Aber nur weil man sich einsam fühlt, hat man nicht versagt.
Es ist eher ein Signal. Ein Hinweis darauf, dass Verbindung fehlt.
Und das heißt nicht unbedingt zu anderen, sondern oft zu dir selbst.
Alleinsein heißt: Du bist ohne andere.
Einsamkeit heißt: Du fühlst dich abgeschnitten und unverbunden.
Solo Travel konfrontiert dich mit diesen Themen und gibt dir die Chance, diese Verbindung neu aufzubauen - mit dir selbst.
Die größte versteckte Angst: Dir selbst nicht zu gefallen
Du hast keine Angst davor, alleine zu reisen. Du befürchtest, nicht zu mögen, wer du bist, wenn du keine Rollen mehr spielen musst.
Wer bist du?
Wenn keine To-do-Listen auf dich warten.
Wenn kein Smalltalk an der Kasse verlangt wird.
Wenn Scrollen bis 2 Uhr nachts ohne Internet schwierig ist.
Nur du. Und das, was du denkst. Fühlst. Vermeidest.
Solo Travel kann dir den Boden unter den Füßen wegziehen - und dir gleichzeitig die Tools geben, ihn neu aufzubauen.
Ist Solo Travel eine Flucht oder Self-Care?
Diese Frage kommt oft. Und die Antwort ist unbequem:
Es kommt darauf an, wovor du fliehst.
Fliehst du vor Verantwortung? Einer alten Beziehung? Dem nervigen Chef?
Oder vor einem Leben, das sich nicht mehr nach dir anfühlt?
Alleinreisen kann eine Fluchtmöglichkeit bieten, aber auch ein Akt der Selbstfürsorge sein. Der Unterschied liegt in der Ehrlichkeit dir selbst gegenüber.
Wenn du reist, um nichts zu fühlen - wird´s dich einholen. Denn du kannst nicht vor dir weglaufen.
Wenn du reist, um wieder zu fühlen - wird´s dich verändern. Ob du willst oder nicht.
Was unterwegs plötzlich sichtbar wird
Auf meinen eigenen Reisen habe ich etwas faszinierendes bemerkt:
Ich habe Entscheidungen getroffen. Kleine. Große. Unscheinbare. Und das als wahrer Entscheidungsmuffel!
Was möchte ich heute erleben?
Wo gehe ich hin?
Bleibe ich - oder gehe ich weiter?
Und mit jeder Entscheidung ist was gewachsen. Mein Selbstvertrauen.
Nicht die über-laute, “ich habe etwas geschafft” Stimme. Sondern diese leise: “Ich kann mir selbst vertrauen.”
Natürliches Wachstum quasi. Ohne Workshop, Workbook oder Zertifikat.
Unbequeme Gefühle gehören dazu
Langeweile.
Traurigkeit.
Überforderung.
Zweifel.
All das darf da sein. Genauso, wie die leichteren Gefühle.
Wir sind es nur nicht mehr gewohnt, Gefühle einfach mal zu fühlen. Wir verdrängen sie lieber. Stürzen uns in die Arbeit oder lenken uns mit endlosem scrollen am Handy ab.
Fun Fact: Ein Gefühl ist nur für 90 Sekunden in unserem System, wenn wir nicht daran festhalten oder es verdrängen.
Solo Travel zwingt dich zur Präsenz.
Und Präsenz ist manchmal messy.
Aber genau da passiert´s.
Was sich verändert, wenn du bleibst
Wenn du nicht sofort flüchtest.
Wenn du den Moment aushältst.
Wenn du dir selbst zuhörst und dir das gibst, was du gerade wirklich brauchst.
Dann passiert was Leises, Magisches:
Du wirst unabhängiger von äußerer Bestätigung.
Du lernst, dich selbst zu halten.
Du entwickelst eine neue innere Sicherheit.
Du wirst klarer in dem, was du willst - und was nicht.
Nicht, weil der Ort magisch ist. Sondern weil du präsent bist.
Solo Travel ist kein Reset-Knopf. Es ist ein Spiegel
Und wenn du dich selbst nicht ansehen magst, wird diese Erfahrung ganz schön schmerzhaft für dich.
Viele hoffen, dass sie zurückkommen und alles anders ist.
Spoiler: Dein Leben hat sich nicht geändert.
Aber DU bist nicht mehr dieselbe.
Denn du hast erlebt,
…dass du alleine zurechtkommst
…dass du dich immer auf dich verlassen kannst
…dass du dir selbst Sicherheit schenken kannst
Und das wird verändern, wie du deine täglichen Entscheidungen triffst.
Wie du Beziehungen führst.
Wie du mit dir selbst sprichst.
Journaling Fragen für unterwegs
Wenn du alleine reist - nimm diese Fragen mit:
Wer bin ich, wenn mich niemand kennt und ich nichts “muss”?
Welche Gedanken tauchen auf, wenn ich nichts tue?
Was vermeide ich im Alltag - und warum?
Was fühlt sich gerade lebendig und gut an?
Welche Version von mir zeigt sich hier?
Real talk statt Perfektion bitte!
Die größte Erkenntnis, die Solo Travel dir schenkt
Du hast dich nicht verloren, also musst du dich nicht finden.
Aber vielleicht hast du dich lange überholt. Überlagert. Überfunktioniert.
Solo Travel ist also keine Zauberlösung. Eher eine Einladung zum Stillwerden. Hinspüren und dir selbst wieder zuzuhören.
Wenn du zurückkommst…
…wirst du merken, dass nicht alles leichter ist.
Aber echter.
Du bist nun sensibler für das, das nicht mehr zu dir passt. Was du ändern möchtest.
Du triffst mutige Entscheidungen und bist klarer in dir.
Wenn du den Gedanken hast, alleine zu verreisen, dann ist er nicht ohne Grund in dein Leben gestolpert. Nicht, weil du damit vor deinen Problemen weglaufen kannst, sondern weil etwas in dir gesehen werden will.
Du musst keine Weltreise planen.
Manchmal reicht ein langes Wochenende. Oder ein Tag.
Oder der Mut, einfach mal still zu sein.
Denn die wichtigste Begegnung deines Lebens findet nicht in einem anderen Land statt.
Sondern in dir 🤍
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