Wenn andere das doch auch schaffen – warum fühl ich mich dann wie eine Versagerin?
- Merle Reimers

- 12. Juni 2025
- 3 Min. Lesezeit
Du scrollst durch Instagram, siehst wie deine Kollegin drei Kinder wuppt, Karriere macht und dabei noch strahlt wie ein verdammte Diskokugel. Deine Freundin plant neben ihrem Vollzeitjob ein Sabbatical in Südamerika. Und du? Fühlst dich schon beim Wocheneinkauf wie erschlagen. Gedanken wie: "Andere kriegen das doch auch hin – was stimmt mit mir nicht?" gehören zu deinem täglich Brot.
Aber was, wenn ich dir sage: Genau dieser Gedanke ist ein übler Selbstsabotage-Mechanismus?
Lass uns den mal gemeinsam auseinandernehmen. Brutal ehrlich, mit einer Prise Mitgefühl. Und ganz viel Raum für Veränderung.

Warum du dich wie eine Versagerin fühlst
"Andere kriegen das doch auch hin" ist kein Fakt. Es ist eine verzerrte Wahrnehmung. Psychologisch nennt man das den sozialen Vergleich. Wir Menschen neigen dazu, uns ständig mit anderen zu messen – besonders mit denen, die scheinbar mehr leisten, schöner leben, erfolgreicher sind.
Aber Achtung: Du vergleichst deinen Behind the Scenes-Kuddelmuddel mit jemandes Highlight Reel. Und das ist unfair. Gegen dich selbst.
Dahinter steckt oft ein tiefes Bedürfnis nach:
Anerkennung – gesehen und wertgeschätzt werden
Sicherheit – dazugehören, nicht negativ auffallen
Selbstwert – das Gefühl, gut (genug) zu sein
Der Gedanke ist also nicht nur ein Urteil – er ist ein stiller Schrei nach: "Ich will auch gesehen werden."
Was dieser Gedanke mit dir macht
Kurz gesagt? Er zerlegt dich von innen.
Er sorgt für:
ständiges Gefühl des Versagens – weil du deine Realität mit der gefilterten Welt anderer vergleichst
Energieverlust – weil du permanent innerlich kämpfst, statt dich zu erholen
Entfremdung von dir selbst – weil du ständig im Außen bist und gar nicht mehr spürst, was DU eigentlich brauchst
Und er führt zu chronischem Stress, Selbstzweifeln und im schlimmsten Fall: Resignation.
Warum radikale Ehrlichkeit hier der Gamechanger ist
Radikale Ehrlichkeit heißt nicht, dich fertigzumachen – es heißt, endlich ehrlich hinzuschauen:
Willst du das, was die anderen scheinbar haben, überhaupt wirklich?
Oder brauchst du eigentlich etwas ganz anderes?
Viele meiner Coachees merken: Sie rennen Zielen hinterher, die gar nicht ihre eigenen sind. Sie kämpfen einen Kampf, der nie ihrer war.
Radikale Ehrlichkeit bedeutet auch, sich einzugestehen:
„Ich bin erschöpft. Ich will raus aus diesem Vergleich. Ich will MEIN Leben zurück.“
Was du tun kannst – konkret & alltagstauglich
1. Die Wahrheit aufschreiben
Nimm dir 10 Minuten. Schreib alles auf, was dir gerade zu diesem Thema durch den Kopf geht. Ganz ehrlich. Ohne Zensur. Ohne „Aber ich sollte doch…“
Fragen, die helfen:
Was genau macht mich gerade so fertig?
Woher kenne ich diesen Gedanken – wer hat ihn mir beigebracht?
Was will ich wirklich?
2. Deine Werte checken
Frage dich: Was ist mir im Leben wirklich wichtig? Nicht der Gesellschaft. Nicht meiner Mutter. Nicht Insta. Dir.
Beispiele:
Verbindung statt Karriere
Ruhe statt Status
Tiefe statt Perfektion
Wenn du deine Werte kennst, kannst du Entscheidungen treffen, die sich nach dir anfühlen – nicht nach "die anderen machen das aber so".
3. Vergleiche bewusst stoppen
Immer wenn du merkst, du fällst wieder in den „Andere schaffen das doch auch“-Strudel, sag dir innerlich:
"Ich weiß nicht, was bei ihr hinter den Kulissen abgeht. Aber ich weiß, was ich gerade brauche."
Oder ganz radikal: Social Media Detox. Für ein paar Tage. Oder Wochen.
Laut Studien (z. B. von Dr. Festinger zur sozialen Vergleichstheorie) neigen Menschen mit einem geringen Selbstwert stärker dazu, sich „nach oben“ zu vergleichen. Das erzeugt chronische Unzufriedenheit und ein Gefühl der Unzulänglichkeit – obwohl objektiv gar kein Mangel besteht.
Das bedeutet: Du bist nicht falsch. Du hast einfach gelernt, deinen Wert im Außen zu suchen. Und das kannst du verlernen.
Was dich erwartet, wenn du aufhörst, dich zu vergleichen
✨ Mehr Ruhe im Kopf
✨ Mehr Selbstmitgefühl
✨ Klarere Entscheidungen
✨ Und vor allem: Dein ganz eigenes, stimmiges Tempo
Denn du darfst aussteigen. Du darfst müde sein. Du darfst NEIN sagen. Und du darfst einen neuen Weg wählen – deinen.
Eine Übung für dich: Der Perspektiv-Wechsel
Nimm dir heute Abend 5 Minuten und stell dir vor:
Du würdest dein Leben aus der Sicht deiner besten Freundin sehen. Was würdest du über dich sagen? Was würdest du anerkennen? Was würdest du feiern?
Schreib es dir auf. Lies es dir laut vor. Lass es wirken.
Und dann? Atme. Und sei stolz auf dich, dass du hinsiehst.
Der Gedanke „Andere kriegen das doch auch hin“ ist toxisch. Er ist nicht inspirierend. Er ist zerstörerisch. Und er bringt dich keinen Zentimeter näher zu dir selbst.
Lass uns gemeinsam raus aus dem Hamsterrad des Vergleichs. Rein in mehr Ehrlichkeit. Mehr Selbstverbindung. Und mehr Mut, deinen eigenen Weg zu gehen.
Du bist kein Fehler im System. Du bist ein Mensch mit Grenzen. Und die darfst du feiern.
Wenn du magst, begleite ich dich auf deinem Weg raus aus dem Vergleichsstrudel.
Let’s do this – gemeinsam.




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